headerdef
News / 14.12.2011

neue Kurse ab 16.01.2012
Hier mehr Infos
Anmeldung ab sofort möglich
Bilder der Bälle online!

 
Wer ist Online
Aktuell 25 Gäste online
Home arrow Geschichte des Tanzes arrow Wiener Walzer
Wiener Walzer Drucken E-Mail

Geschichte

Der Walzer, zur Unterscheidung vom Langsamen Walzer (English Waltz) und dem französischen Walzer meist Wiener Walzer genannt, ist der älteste der modernen bürgerlichen Gesellschaftstänze. Er wird in den 1770er Jahren erstmals in einer Komödie des Bernardon-Darstellers Felix von Kurtz erwähnt und wurde vor der Französischen Revolution berühmt, weil er das aristokratische Menuett als maßgebenden Gesellschaftstanz verdrängt.

Der Walzer entstand aus dem „Deutschen Tanz". Ob der Ländler ein Vorläufer des Walzers war oder sich parallel entwickelt, ist umstritten.

Der Walzer war zunächst wegen Unzüchtigkeit, z. B. weil die Fußknöchel der Damen sichtbar waren, aber vor allem wegen der ständigen Berührungen der Paare verpönt. Er wurde zunächst sehr schnell getanzt und bekam erst im Laufe des 19. Jahrhunderts die heutige „schwebende" Form. Offizielle Akzeptanz und sogar Beliebtheit gewann er durch den Wiener Kongress 1814/15. Die berühmten Musikstücke von Josef Lanner, Johann Strauß, dessen Sohn Johann Strauß und später Pjotr Iljitsch Tschaikowski macht ihn zu einer respektierten musikalischen Gattung. In der Wiener Operette gegen Ende des Jahrhunderts stand der Walzer stets im Zentrum.

In den 1920er-Jahren begann in Deutschland aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und internationaler Einflüsse des Walzersterbens. Modernere, dynamischere Tanzformen aus Übersee setzten sich durch. In England war der Wiener Walzer nie heimisch geworden, dort tanzt man Boston Waltz oder später Langsamen Walzer.

Als Volkstanz wurde der Walzer zu Begin der dreißiger Jahre vor allem in Deutschland und Österreich zunächst im Zuge einer volkstümlichen Mode und später als Bestandteil eines politischen Programms zur Ausgrenzung des „Undeutschen" gefördert. Der ehemalige k.u.k.-Offizier Karl von Markowitsch machte den Wiener Walzer wieder gesellschafts- und turnierfähig, seit 1932 tanzt man den Wiener Walzer auf Turnieren. Der Nürnberger Tanzlehrer Paul Krebs verband 1951 die altösterreichische Walzertradition mit dem englischen Stil. Bei dem Tanzfestival in Blackpool im gleichen Jahr feierte er große Erfolge. Seitdem ist der Wiener Walzer als gleichberechtigter Standardtanz anerkannt, in das Walttanzprogramm wurde er 1963 aufgenommen.

Der Wiener Walzer war stets Symbol gehemmter politischer Umbruchsstimmungen und wurde z. B. als „Marseillaise des Herzens" (Eduard Hanslick) bezeichnet, soll „Wien die Revolution erspart (haben)", während Johann Strauß selbst „Napoleon Autrichien" (Heinrich Laube) genannt wurde. Johann Strauß (Sohn) gehörte in der Märzrevolution 1848 zu den Revolutionären, was ihm Kaiser Franz Joseph I. nie verzieh. Durch seinen kommerziellen Erfolg wurde der einstige Revolutionär allerdings harmlos. Im Walzer werden aggressive Energien durch beständiges Drehen eingebundne und abgeschliffen.

 

Technik und Stile

Es gibt weltweit zwei verschiedene Arten des Wiener Walzers, namentlich den Interationalen und den Amerikanischen Stil, der hauptsächlich in den USA verbreitet ist. Während im modernen Turniergeschehen weltweit der Internationale Wiener Walzer ausschlaggebend ist, wird z. B. bei Formations- und Schaudarbietungen in Deutschland gerne auf das breitere Figurenspektrum des Amerikanischen Wiener Walzers zurückgegriffen.

Die Technik des Wiener Walzer entsprang zunächst der Ballett-Technik, hat sich aber im Laufe der Zeit stak verändert und ist heute – wie bei allen Standardtänzen – sehr anspruchsvoll. Die hohe Geschwindigkeit und die ständige Drehbewegung machen den Walzer zu einem sehr anstrengenden Tanz. Wie für nichtstationäre Tänze des Welttanzprogramms üblich, bewegt sich das Tanzpaar beim Wiener Walzer entgegen dem Uhrzeigersinn um die Tanzfläche herum.

Als offiziell zugelassene Turnierfiguren des Internationalen Stils gelten lediglich die Rechtsdrehung (Natural Turn, gleichzeitig der Grundschritt) und die Linksdrehung (Reverse Turn), das Rechts- und das Linksfleckerl sowie Contra Check, Linker Wischer (Left Whisk) und Pivot Turns. Der amerikanische Stil beinhaltet darüber hinaus z. B. auch offene Figuren außerhalb der gewöhnlichen Tanzhaltung.

 

Rhythmus und Musik

Der Wiener Walzer basiert auf dem ¾ - Takt, wobei ein Grundschritt aus sechs Schritten besteht und somit zwei volle Takte umfasst. Alternativ kann der Wiener Walzer auch auf einem 6/8 Takt getanzt werden, dann umfasst der Grundschritt genau einen Takt. Auf Bällen und Turnieren wird traditionell auf klassische Musik getanzt, es gibt allerdings auch modernere Stücke der Rock- und Popmusik, die einen geeigneten Rhythmus bieten. Der Wiener Walzer ist mit ungefähr 60 Takten pro Minute (entspricht 180 BPM) doppelt so schnell wie ein langsamer Walzer.

 

Verbreitung

Der Wiener Walzer wird als einer der fünf Standardtänze weltweit auf jedem Standard-Turnier getanzt. Des Weiteren nimmt er eine Sonderstellung auf Bällen und Redouten ein:

In Österreich wird mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ traditionell das Neue Jahr (in der Silvesternacht im Österreichischen Fernsehen und einem Dutzend anderer Radio- und TV-Sender rund um den Erdball) begrüßt und er ist auf vielen Hochzeiten der Tanz des Brautpaars. Natürlich darf er bei dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker genauso wenig fehlen, wie bei dem legendären Wiener Opernball, dem „Ball aller Bälle“.